Tag 25 – Endlich Urlaub
Rumms! Jemand hat einen Konzertflügel im Haus fallen lassen. Oder es war das kleine Erdbeben, das für einen kurzen Moment die Türen wackeln liess. Jedenfalls sind wir jetzt wach. Und das Haus steht noch. Damit ist entschieden, dass wir hier noch eine Weile bleiben werden.
Dafür benötigen wir aber Fleisch, denn hier gibt es auch einen Sack Grillkohle samt Grill. Ausserdem ist meine Kontaktlinsenlösung alle. Eine kleine Einkaufsfahrt drängt sich auf.
Zuerst in die Apotheke nach Ano Lechonia. Beim Aussteigen fällt uns auf, dass wir auf Schienen geparkt haben. Voraus steht ein hübscher kleiner Bahnhof und ein Bahnsteig mit ein paar altertümlich anmutenden Passagier-Waggons.


Wir stehen am Anfang der noch in Betrieb stehenden Strecke der Pilionbahn. Leider fährt sie nur noch Samstags und Sonntags, denn es ist eine Touristenattraktion und soll mit spektakulären Brücken sowie fantastischer Aussicht aufwarten. Haben wir verpasst, schade.
Wo wir schon unterwegs sind, wagen wir einen Umweg in die Stadt Volos, um den Yachthafen und die Uferpromenade zu sehen. Es herrscht viel Verkehr. Nur langsam kämpfen wir uns von einer Ampel zur Nächsten vor, bis wir einen grossen Parkplatz am Hafen erreichen.
Die Uferpromenade wird von einer Statue des Argonauten Iason bewacht, der der Sage nach von hier aus sein Abenteuer gestartet haben soll. Normalerweise sollte hier auch eine lebensgrosse Replika seines sprechenden Schiffes Argo stehen, aber offenbar wurde es gerade an eine Ausstellung verliehen. Griechische Mythologie, hier gibt’s mehr dazu.

Dahinter liegt eine Yacht an der anderen. Die Promenade ist riesig und von Tavernen gesäumt. Dahinter hässliche, klotzige Gebäude. Die Umgebung wirkt kahl, irgendwie will keine Gemütlichkeit aufkommen. Unser Besuch ist deshalb auch nur von kurzer Natur.
Auf dem Rückweg finden wir eine Metzgerei. Die hübsche Fleischwarenfachverkäuferin entspricht äusserlich betrachtet nicht dem Klischée einer Metzgerin. Erst als sie mit dem schweren Henkerbeil unsere bestellten Koteletts abhackt, ändert sich dieser Eindruck.
Wieder «Zuhause». Marios, unser Vermieter, bringt Mittel für Geschirrspüler und Waschmaschine sowie Anzünder für den Grill vorbei. Ich helfe ihm beim Spannen des Sonnensegels. Wir kommen über Boote ins Gespräch. Er ist stolzer Eigner einer grossen Holzketch. Hätten wir nicht so kurzfristig seine Villa weggeräubert, wäre er jetzt unterwegs, um eine Zeit lang auf seiner Yacht zu verbringen. So verschiebt sich seine Abreise eben um ein paar Tage. Wer zufälligerweise auf Paxos ist, etwas Taschengeld übrig hat und einen privaten Tagestörn erleben möchte, kann sich hier informieren.
Ein mittelgrosser Berg Wäsche hat sich angesammelt. Auch hier ist die Waschmaschine draussen installiert. Falls ich jemals wieder einmal ein Haus bauen sollte, werde ich über dieses Konzept nachdenken. Sofern es an einem Ort ist, wo die Temperaturen stets über dem Gefrierpunkt liegen.
Marios hat noch eine grosse Villa weiter oben am Berg. Sie steht zum Verkauf. Leider nicht in unserer Preisklasse, aber wir dürfen sie trotzdem besichtigen, wenn wir möchten. Geht nicht, denn zu seiner vorgeschlagenen Uhrzeit haben wir ein Rendezvous mit einem gegrillten Fisch in einer Taverne unten am Hafen.
Aber alles der Reihe nach. Wo gestern noch die Tavernen gut besucht waren, herrscht heute gähnende Leere. Am Meer sitzen möchte man trotzdem nicht, weil schwere Wellen gegen die Pier hochspritzen. Bei «To Kosmikon» sieht es nett aus. Die Damen sprechen nur griechisch und wir schaffen es, mittels Google sowie Handzeichen eine ansprechende «Tsipura» – zu Deutsch «Dorade» – auszusuchen. Eine gute Wahl, die Köchin versteht ihr Handwerk.
Als sie dann fertig gebraten an unseren Tisch serviert wird – die Dorade, nicht die Köchin – versammeln sich die Katzen der Nachbarschaft um unseren Tisch herum. Keine Ahnung, warum. Wahrscheinlich um sicherzustellen, dass wir auch jeden Bissen wirklich geniessen.
Es ist windstill und angenehm warm. Der Tavernenbesitzer schaut vorbei. Er spricht gut englisch. Auf die hohen Wellen trotz Windstille angesprochen erklärt er uns, dass die Wellen vom Meltemi in der Ägäis aufgebaut und in den Golf getrieben werden. Es gibt zusätzlich starke Strömungen, die das gesamte Wasser im Golf alle 24 Tage austauscht. Beides zusammen ergibt dieses Phänomen. Ob das damals auch die Argonauten wussten?
Der Rest des Abends besteht aus nach Hause holpern und Schlafen legen. Gute Nacht.