Reisen
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Tag 29 – Alles hat ein Ende
So richtig toll haben wir nicht geschlafen. In diesem Zimmer wird es schnell stickig und man will ja nicht die ganze Nacht die Klimaanlage laufen haben. Für die Heimreise wird es reichen.
Duschen und packen ist schnell erledigt. Wir wollen dem Frühstücksbuffet eine Chance geben. Wir nehmen unser Reisegepäck mit zum Auto und wenden uns zum Restaurant. Der Rest der Herde ist auch schon dorthin unterwegs. Im Restaurant dann Volk und Lärm, wie erwartet. In einer geschmeidigen Kurve verlassen wir die Zone eilig wieder. Wir holen unsere Rucksäcke aus dem Zimmer und checken aus. Am Empfang lassen wir die bunten Armbändchen abschneiden. Freiheit! Draussen pumpt ein Tanklastwagen die Fäkaliengrube aus. Der Geruch passt perfekt zum Eindruck, mit dem wir dieses Etablissement verlassen.
Die Sonne steht freundlich am Himmel und es ist angenehm warm. Die Strandpromenade ist am Vormittag spärlich besucht. Mühelos finden wir einen schattigen Parkplatz und kehren in ein Restaurant ein, das unter anderem mit Brunch prahlt. Wir lassen uns zwei labrige Trutensandwich servieren und geniessen die verhältnismässige Stille sowie den Blick aufs Meer.

Wir haben noch viel Zeit. Bei einem Spaziergang am Ufer entlang entdecken wir den einen oder anderen beschaulichen Flecken. Der Strand beispielsweise ist ganz nett, wenn auch das Wasser einen Ansatz von Algenbefall zeigt und nicht gerade zum Baden einlädt. In einer Lounge setzen wir uns nochmal hin und lassen die letzte Stunde unseres Urlaubs ausklingen.

Dann Aufbruch. 40 Minuten dauert die Fahrt über Land. Der Weg zur Mietwagenstation ist etwas kompliziert, zuerst von der Schnellstrasse herunter, über eine Brücke, auf der anderen Seite wieder auf die Schnellstrasse und die übernächste Abfahrt raus. Laut Vertrag sollten wir den Wagen bis um 12 Uhr zurückgeben. Um 11:58 Uhr stehen wir auf dem Parkfeld und machen den Motor aus. Die Abgabe erfolgt zügig und ohne Beanstandung. Yasas Sandero, vielen Dank für die treue Begleitung in den letzten 4 Wochen und die zuverlässig abgespulten 2500 km.
Der Rückflug erfolgt unspektakulär. Die Wartezeiten am Flughafen halten sich im Rahmen. Wir landen nach 2.5 Stunden Flugzeit pünktlich in Zürich. Das Gepäck wird schnell ausgeliefert und ehe wir es uns versehen, stehen wir vor dem Terminal.

Uber schickt uns ein Tesla Model X samt Schofför für eine feudale Heimfahrt und nach einer weiteren Stunde schliessen wir unsere Wohnungstüre auf.

Unsere Taschen sind schnell ausgepackt. Die Waschmaschine kriegt zu tun, ebenso die Dusche. Von unserem Balkon aus beobachten wir zahlreiche Heissluftballons am Himmel. Es ist das Teilnehmerfeld der Weltmeisterschaft im Heissluftballonfahren, die im Nachbarort ausgetragen wird.

Seit dem Trutensandwich haben wir nichts Richtiges gegessen, aber dieses Problem kann eines unserer Dorfrestaurants lösen. Als wir in mein Auto steigen stelle ich fest, dass ich meine Handyhalterung im Sandero vergessen hatte. Siga Siga, das hilft jetzt auch nichts mehr. Zwei Cordon Bleu später sind wir endgültig in der Schweiz angekommen.
Wir sind mit dem Vorsatz, keinen Plan zu haben, nach Griechenland gereist. Ich denke, das ist uns gut gelungen. Natürlich hatten wir im Vorfeld eine grobe Vorstellung, wo uns die Reise überall hinführen soll. Es war auch kein Zufall, dass wir das Land im Uhrzeigersinn bereist haben. Nur der jeweilige Ort und der Buchungszeitraum für die Unterkünfte war völlig offen.
Auch die Jahreszeit war aus unserer Sicht gut gewählt. In der Vorsaison ist das Angebot üppig und oft profitiert man bei kurzfristiger Buchung von Preisvorteilen. Abgesehen davon erlebt man dann das Land viel authentischer, da man in der Regel nur Einheimische antrifft. Es ist alles entspannter, vom Autofahren, über den Tavernenbesuch bis hin zur Besichtigung von Sehenswürdigkeiten. Wir glauben auch, dass die Bevölkerung im Frühjahr noch nicht müde vom Massentourismus ist und dadurch geduldiger und freundlicher mit uns Umstandskrämern umgeht. Ausserdem ist dann die Landschaft noch erfrischend grün und lebendig. Auch wenn es gelegentlich regnet und vor allem der kühle Wind einen an so manchen Abenden nach drinnen scheucht, so glauben wir, damit den besten Kompromiss gefunden zu haben. Und zwei Badetage waren schliesslich auch noch mit dabei, obwohl wir diese definitiv nicht geplant hatten.
Damit endet die Blogschreiberei für dieses Jahr. Ein bisschen Urlaub bleibt uns noch, aber darüber wird nicht Protokoll geführt. Jedenfalls nicht öffentlich. Vielen Dank für das treue Mitlesen und die gelegentlichen Kommentare. Geniesst den Sommer, wir sehen uns.
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Tag 28 – Marathon
Früh geht es heute aus den Federn. Für unsere derzeitigen Verhältnisse heisst das 8 Uhr. Taschen wollen gepackt und die restlichen Lebensmittel verfrühstückt werden. Draussen ist es nass und es soll laut Prognose den ganzen Tag über regnerisch, kühl und windig sein. Das macht die Abreise etwas leichter. Trotzdem gehen wir nochmal auf den Balkon, ein bisschen Abschied weinen.

Nach dem Frühstück bleiben nicht mehr viele Lebensmittel übrig. Gewürze, Knabberzeugs, eine angebrochene Flasche Ouzo sowie zwei Flaschen Wasser für unterwegs haben bequem in einer Einkaufstasche Platz. Morgen werden wir die Reste davon auf unser Reisegepäck verteilen.

Bis zum Eintreffen der Putzequippe machen wir noch ein wenig Ordnung. Frottéewäsche sammeln, Spülmaschine ausräumen, restliches Geschirr spülen, Müllsäcke rausstellen. Pünktlich um 10 Uhr übergeben wir den Schlüssel und verladen unser Gepäck. Navi programmieren, Abfahrt.
Die ersten 30 Minuten dauert die Fahrt, um den Pilion zu verlassen. Ab da sind es knapp 300 km auf der Autobahn A1, die Thessaloniki mit Athen verbindet. Wie gehabt fährt es sich entspannt, obwohl mindestens doppelt so viel Verkehr wie sonst herrscht – also 4 Autos anstatt 2. Statt des angekündigten Regens bricht die Sonne hervor und wir müssen unsere Sonnenbrillen hervorkramen. Frechheit!

Nach zwei Stunden verlassen wir die Autobahn nach Kamena Vourla an der Küste des Golfs von Malia. Georgs Fischtaverne hat nette Plätze direkt am Strand. Und eine noch nettere Dorade mit einem Kampfgewicht von knapp über einem Kilo. Der Holzkohlengrill ist gerade frisch angefeuert und nimmt den produktiven Betrieb für uns auf. Schüsseln mit frittierten Gemüsen und einem gedämpften Bohnengericht werden zum Fisch gereicht. Letzterer kann mit der Qualität von Kato Gatzea nicht mithalten, ist aber trotzdem ganz passabel. Finden auch die Katzen, denen wir ein kleines bisschen davon spendieren.
Mehr als passabel ist immer noch das Wetter. Immer noch kein Regen. Statt dessen eitler Sonnenschein. Lange wird es sich nicht mehr halten, denn von Norden rückt eine dicke Front näher. Wir bezahlen unser Mahl und erhalten zwei Mini-Glacé aufs Haus.

Weiter gehts, nach Süden, immer schön der Sonne, aber leider auch der Abreise entgegen. Nach 90 Minuten verlassen wir die Autobahn und fahren durch hügeliges Terrain Richtung Marathon.
Hier wurden im Jahr 490 vor Christus die Perser vernichtend geschlagen, was als entscheidender Moment für den Erhalt der westlichen Zivilisation gilt. Von hier lief der Bote Pheidippides die 40 km nach Athen, um den Sieg zu verkünden, bevor er erschöpft starb. An diesem Ort steht der marmorene Staudamm, der 1920 für die Versorgung der Athener mit Trinkwasser erbaut wurde. Nichts davon hat für uns irgendeine Bedeutung, weil wir schnurstracks in den Ortsteil Nea Makri fahren, zum Golden Coast Hotel, wo wir uns für eine Nacht ein Zimmer gebucht haben.
Eine All-inclusive-Ferienanlage. Man meldet sich an der Barriere mit seinem Namen an und wird eingelassen. Dann erhält man beim Check-In an der Reception ein buntes, widerstandsfähiges Bändelchen um das Handgelenk. Alles ist eingezäunt – das gesamte Gelände, der Zugang zum Strand, selbst die beiden Pools. Es hat den Charme einer Viehzucht und ich bin froh, dass wir nicht noch ein Brandzeichen aufgedrückt bekommen haben. Überraschend viele Gäste sind anwesenden und das sorgt für eine gewisse Geräuschkulisse.
Unser Zimmer ist zweckmässig. Alles macht aber einen verbrauchten Eindruck. Die hauseigene Poolbar sieht aus wie ein Kiosk im öffentlichen Freibad. Für 10 Euro erstehen wir einen Mojito, der tatsächlich in einem Pappbecher serviert wird. Und auch so schmeckt. Mit all diesen Eindrücken geläutert steht für uns schon mal fest, dass wir auf das all-inclusive-Buffet verzichten werden.

Sieht auf dem Foto doch ganz nett aus… Der Schlachtplan ist sofort gefasst. Zuerst rüsten wir unser Gepäck für eine schnelle Flucht morgen. Auch unsere restlichen Lebensmittel finden gut darin Platz. Dann duschen und ausgehfein machen, wir fahren zur Strandpromenade von Nea Makri.
Aus irgendeinem Grund funktioniert auf keinem unserer Handys der 5G-Internetempfang mehr. Ziemlich blöd, wenn man sich auf Google Maps als Navigations-App verlässt. Es gibt keine Beschilderung, die den Weg weist. Irgendwann biegen wir spontan links ab und fahren durch enge Gassen. In einem Fall von der falschen Seite her in eine Einbahnstrasse, wie dem entgeisterten Blick eines Passanten zu entnehmen ist. Aber die Richtung stimmt, irgendwann biegen wir in einen breiten Boulevard ein. Rechts das Meer, links eine Kneipe nach der anderen. Es ist die totale Touri-Meile. Jetzt mag es noch beschaulich sein, aber zur Hochsaison sind wir besser woanders.
Parkplätze gibt es genug. Gemächlich spazieren wir der Promenade entlang, bis wir in einem italienischen Restaurant namens Trattoria ein gemütliches Plätzchen finden. Die Bedienung ist sehr freundlich, wirkt aber bei unseren offensichtlich ungewöhnlichen Wünschen ein wenig irritiert. Wir wollen tatsächlich vor der Bestellung die Flasche Wein sehen und einen Eisbeutel haben, um sie von Zimmertemperatur herunterzukühlen.
Die hausgemachten Ravioli sind dann tatsächlich sehr lecker, die Penne ganz ok. Ein Blick auf andere Tische zeigt, dass die Pizza recht ordentlich zu sein scheint. Für die Touri-Meile zur Vorsaison kann man es gelten lassen. Es herrscht ein angenehmer Geräuschpegel und so lassen wir uns gemütlich Zeit, bis wir in unser Hotel zurückkehren.

Die Hotelwache identifiziert uns anhand der bunten Bändelchen und öffnet die Barriere zu unserem Gehege. Beim Restaurant läuft gerade ein Animationsprogramm und wir sind froh, dass wir nicht dabei sein mussten. Ganz können wir uns dieser Pauschalreisen-Romantik nicht entziehen. Dazu trägt nicht nur der laute Fernseher im Nachbarzimmer bei, sondern auch die diversen Gruppen von Heimkehrern, die mit ihrem feinen Gespür für Rücksichtnahme laut quakend vor unserer Tür durchwalzen. Ohne unsere Ohrenstöpsel wäre hier an Schlafen nicht zu denken. Jetzt nur nochmal kurz aufstehen und die Balkontür schliessen, damit der Zigarettenqualm von draussen nicht in unser Zimmer strömt. Und die Klimaanlage einschalten, weil es sonst schnell zu warm wird.
Rückblickend hätten wir doch besser ein Airbnb auf dem Lande genommen. Unsere Entscheidung wurde von den Wetterprognosen beeinflusst und dem Wunsch, den letzten Abend am Meer zu verbringen. Auf AirBnB war nichts Passendes in unserer Preisklasse zu finden. Wir pokerten darauf, dass in der Vorsaison auch in einem Hotel nicht so viel los ist und wir bei Regen die Möglichkeit haben, im Hause essen zu gehen. Preislich gibt es keine Vorteile, wir bezahlen hier genau so viel wie für das Haus in Kato Gatzea.
Das Wetter blieb trocken. Offensichtlich haben solche Hotels immer Saison. Mit einem Auto ist man flexibel und nicht auf Hotelrestaurants angewiesen. Lektion gelernt, würde ich sagen.
Mit dem eSIM Support Chat kriege ich auch unser Internetproblem geregelt. Offenbar hat das Captive Portal des Hotel-WLAN irgendwelche Einstellungen verhunzt, was zur Sperrung unserer 5G Pläne geführt hat. Wir erhalten zwei neue Pläne aufgeschaltet. Wenigstens etwas. In diesem Sinne, Gute Nacht.
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Tag 27 – Noch n Pool Day
Wolken verdunkeln den morgendlichen Himmel und es geht ein kühler Wind. Nicht unbedingt die Konditionen, die wir uns für den heutigen Tag gewünscht haben, denn es sollte eigentlich ein weiterer Faulenztag am Pool werden.
Drinhocken ist auch irgendwie blöd. Mit langer Hose und Trainerjäckchen gerüstet frühstücken wir erst einmal auf dem Balkon. Wir gehören noch zu der Generation, der das Teller leer essen zugunsten von schönem Wetter gepredigt wurde. Und tatsächlich, nach dem letzten Bissen brechen die Wolken auf, die Sonne kommt hervor und es wird doch noch ein schöner, warmer, fauler Tag.

Sagen wir halbfaul, denn der Tag der Abreise rückt unaufhaltsam näher. Übermorgen geht unser Rückflug und der Athener Flughafen liegt fast fünf Autostunden von hier entfernt. Die Wetterprognosen für morgen sehen auch nicht so rosig aus. Es macht also Sinn, die Strecke morgen in aller Ruhe zu bewältigen und dafür am Freitag mit einem gemütlichen Ausklang belohnt zu werden.
Selbst wenn wir Wetter, Rückreise, Schicksal sowie sämtliche griechischen Götter ignorieren würden – morgen kommen die nächsten Gäste in «unser» Haus. Die Suche nach unserer nächsten Bleibe ist unumgänglich. Nach einigem hin und her und vor allem vor dem Hintergrund der schlechten Wetterprognose entscheiden wir uns dieses Mal für ein Hotel, in dem man auch essen kann.
Den Rest des Tages verbringen wir in der Horizontalen, springen in den Pool, machen Apéro.
Gelegentlich kommen Schwalben vorbei, dippen im Flug auf dem Poolwasser auf und putzen sich dann auf dem Seil des Sonnensegels.

Später grast eine Herde Schafe unter den benachbarten Olivenbäumen und mit der tiefergehenden Sonne beobachten wir Schmetterlinge, die sich an den Blüten der Büsche neben uns einen Drink kredenzen. Wir könnten noch ewig hier verbringen.

Ausserdem flaut der Wind ab. Schlecht für den Segler draussen im Golf. Gut für uns, denn das heisst, dass wir unser zNacht bequem auf dem Balkon geniessen können.

Unser heutiges Menü besteht aus allem, was der Kühlschrank noch anzubieten hat. Resteputzen ist angesagt, kalt und warm, unsere ganz persönliche Variante einer Mezeplatte. Böse Zungen würden dazu «Wochenrückblick» sagen.
Es ist auch nach Sonnenuntergang immer noch angenehm warm und die Kulisse spricht natürlich für sich selbst.

Krönender Abschluss sind unsere restlichen Baklava, die uns diesen Moment zusätzlich versüssen. Dazu ein Schluck griechischer Wein. In der Tat wir könnten noch ewig hier verbringen.

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Tag 26 – Pool Day
Marios, der in einem kleineren Haus unterhalb lebt, ist heute früh zu seinem Boot aufgebrochen. Wir haben damit das gesamte Anwesen für uns alleine. Sturmfreie Bude sozusagen.
Nicht, dass das einen grossen Unterschied für uns macht. Auch so hätten wir das Haus nicht mehr verlassen. Lange im Bett bleiben, auf dem Balkon frühstücken, den sonnigen Tag bei über 30° am und im Pool verbringen, dazwischen mal Apéro machen…


Langweilig für die Leser, Urlaub für den Blogger. Na ja, nicht ganz, ich hole dafür den Rückstand der letzten Tage etwas auf.

Unser zNacht bereiten wir von langer Hand vor. Lydia legt die Kotelettes schon früh in eine Marinade ein. Zwei Stunden vor dem Grillen nehmen wir sie aus dem Kühlschrank heraus.

Gleichzeitig wandern zwei respektable Kartoffeln in kochendes Wasser. Tomaten und Mozzarella werden in Stücke geschnitten, Crème Fraîche angerührt.
30 Minuten vor der Grillparty feuern wir die Holzkohle ein. Die Kartoffeln erhalten ein Kleid aus Aluminiumfolie. Der Wein wird kühl gestellt. Wegen des Windes decken wir diesmal im Grillhäuschen hinter dem Haus ein.
Dann wandert das erste Kotelette zusammen mit den Kartoffeln aufs Feuer.

Der Rest ist Geschichte. Wir geniessen unser feudales Menü an diesem herrlichen Abend. Das zweite Kotelette folgt schon bald nach.

Irgendwann bricht die Nacht herein. Mangels Angestellter kümmern wir uns selbst um das Abräumen. Ein Waschtrog und die Spülmaschine stehen ja praktischerweise gleich nebenan. Und in die Heia haben wir auch nicht mehr weit.
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Tag 25 – Endlich Urlaub
Rumms! Jemand hat einen Konzertflügel im Haus fallen lassen. Oder es war das kleine Erdbeben, das für einen kurzen Moment die Türen wackeln liess. Jedenfalls sind wir jetzt wach. Und das Haus steht noch. Damit ist entschieden, dass wir hier noch eine Weile bleiben werden.
Dafür benötigen wir aber Fleisch, denn hier gibt es auch einen Sack Grillkohle samt Grill. Ausserdem ist meine Kontaktlinsenlösung alle. Eine kleine Einkaufsfahrt drängt sich auf.
Zuerst in die Apotheke nach Ano Lechonia. Beim Aussteigen fällt uns auf, dass wir auf Schienen geparkt haben. Voraus steht ein hübscher kleiner Bahnhof und ein Bahnsteig mit ein paar altertümlich anmutenden Passagier-Waggons.


Wir stehen am Anfang der noch in Betrieb stehenden Strecke der Pilionbahn. Leider fährt sie nur noch Samstags und Sonntags, denn es ist eine Touristenattraktion und soll mit spektakulären Brücken sowie fantastischer Aussicht aufwarten. Haben wir verpasst, schade.
Wo wir schon unterwegs sind, wagen wir einen Umweg in die Stadt Volos, um den Yachthafen und die Uferpromenade zu sehen. Es herrscht viel Verkehr. Nur langsam kämpfen wir uns von einer Ampel zur Nächsten vor, bis wir einen grossen Parkplatz am Hafen erreichen.
Die Uferpromenade wird von einer Statue des Argonauten Iason bewacht, der der Sage nach von hier aus sein Abenteuer gestartet haben soll. Normalerweise sollte hier auch eine lebensgrosse Replika seines sprechenden Schiffes Argo stehen, aber offenbar wurde es gerade an eine Ausstellung verliehen. Griechische Mythologie, hier gibt’s mehr dazu.

Dahinter liegt eine Yacht an der anderen. Die Promenade ist riesig und von Tavernen gesäumt. Dahinter hässliche, klotzige Gebäude. Die Umgebung wirkt kahl, irgendwie will keine Gemütlichkeit aufkommen. Unser Besuch ist deshalb auch nur von kurzer Natur.
Auf dem Rückweg finden wir eine Metzgerei. Die hübsche Fleischwarenfachverkäuferin entspricht äusserlich betrachtet nicht dem Klischée einer Metzgerin. Erst als sie mit dem schweren Henkerbeil unsere bestellten Koteletts abhackt, ändert sich dieser Eindruck.
Wieder «Zuhause». Marios, unser Vermieter, bringt Mittel für Geschirrspüler und Waschmaschine sowie Anzünder für den Grill vorbei. Ich helfe ihm beim Spannen des Sonnensegels. Wir kommen über Boote ins Gespräch. Er ist stolzer Eigner einer grossen Holzketch. Hätten wir nicht so kurzfristig seine Villa weggeräubert, wäre er jetzt unterwegs, um eine Zeit lang auf seiner Yacht zu verbringen. So verschiebt sich seine Abreise eben um ein paar Tage. Wer zufälligerweise auf Paxos ist, etwas Taschengeld übrig hat und einen privaten Tagestörn erleben möchte, kann sich hier informieren.
Ein mittelgrosser Berg Wäsche hat sich angesammelt. Auch hier ist die Waschmaschine draussen installiert. Falls ich jemals wieder einmal ein Haus bauen sollte, werde ich über dieses Konzept nachdenken. Sofern es an einem Ort ist, wo die Temperaturen stets über dem Gefrierpunkt liegen.
Marios hat noch eine grosse Villa weiter oben am Berg. Sie steht zum Verkauf. Leider nicht in unserer Preisklasse, aber wir dürfen sie trotzdem besichtigen, wenn wir möchten. Geht nicht, denn zu seiner vorgeschlagenen Uhrzeit haben wir ein Rendezvous mit einem gegrillten Fisch in einer Taverne unten am Hafen.
Aber alles der Reihe nach. Wo gestern noch die Tavernen gut besucht waren, herrscht heute gähnende Leere. Am Meer sitzen möchte man trotzdem nicht, weil schwere Wellen gegen die Pier hochspritzen. Bei «To Kosmikon» sieht es nett aus. Die Damen sprechen nur griechisch und wir schaffen es, mittels Google sowie Handzeichen eine ansprechende «Tsipura» – zu Deutsch «Dorade» – auszusuchen. Eine gute Wahl, die Köchin versteht ihr Handwerk.
Als sie dann fertig gebraten an unseren Tisch serviert wird – die Dorade, nicht die Köchin – versammeln sich die Katzen der Nachbarschaft um unseren Tisch herum. Keine Ahnung, warum. Wahrscheinlich um sicherzustellen, dass wir auch jeden Bissen wirklich geniessen.
Es ist windstill und angenehm warm. Der Tavernenbesitzer schaut vorbei. Er spricht gut englisch. Auf die hohen Wellen trotz Windstille angesprochen erklärt er uns, dass die Wellen vom Meltemi in der Ägäis aufgebaut und in den Golf getrieben werden. Es gibt zusätzlich starke Strömungen, die das gesamte Wasser im Golf alle 24 Tage austauscht. Beides zusammen ergibt dieses Phänomen. Ob das damals auch die Argonauten wussten?
Der Rest des Abends besteht aus nach Hause holpern und Schlafen legen. Gute Nacht.
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Tag 24 – Muttertag
Gemessen an der langen Schlafenszeit haben wir mit diesem Haus schon mal einen guten Treffer in Sachen Bettkomfort und Ruhe gelandet. Nach dem Aufstehen gleich der nächste Treffer: die Sonne lacht am Himmel und es ist so warm, dass wir unser Frühstück auf dem überdachten Balkon zelebrieren.

Es folgt die abgespeckte Roomtour:
Wir planen bereits das zNacht in Eigenproduktion anzufertigen. Dazu fehlen uns noch ein paar Zutaten, die wir im nächsten Supermarkt besorgen. Auch hierher verirrt sich wohl selten einmal ein ausländischer Tourist. Ohne Übersetzer hat man hier keine Chance, das Richtige zu finden.
Auf dem Rückweg machen wir einen kleinen Abstecher zum Strand des Nachbarortes Kala Nera. Die Tavernen sind voll mit augenscheinlich einheimischen Gästen. Es ist Muttertag und in Griechenland haben Familienfeiern einen sehr hohen Stellenwert. Ein bisschen zu laut und lebhaft für uns, wir ziehen weiter.


Auch «unser» Kato Gatzea hat eine kleine Promenade vorzuweisen. Hier ist die Strasse für Fahrzeuge gesperrt. Das macht die Szene beschaulicher. Die Tavernen sind zwar auch hier gut besucht, aber wenn man nicht unbedingt direkt am Wasser sitzen möchte, gibt es hier genügend gemütliche, freie Plätze. Genau so einen schnappen wir uns für einen Pizzahalt.
Dann geht es zurück über die Rumpelstrecke nach Hause, Kühlschrank einräumen und den Rest des Tages frei haben.
Nun ja, fast. Ein mittelgrosser Berg Wäsche hat sich angesammelt. Auch hier ist die Waschmaschine draussen installiert. Falls ich jemals wieder einmal ein Haus bauen sollte, werde ich über dieses Konzept nachdenken. Sofern es an einem Ort ist, wo die Temperaturen stets über dem Gefrierpunkt liegen.
Mit einem leckeren, selbst gekochten Schweizer Gericht – Pouletgschnätzlets an Rahmsauce mit Champignons u Rosmarin-Brathärdöpfu – beschliessen wir diesen schönen Abend auf dem Balkon.
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Tag 23 – Meteora
Punkt 11 Uhr. Auch bei dieser Hausabgabe bleiben wir unserem Ritual treu. Es ist bewölkt und kühl, als wir losfahren. Google hat eine fantastische Idee und schickt uns über eine kurvenreiche Schotterstrasse in Richtung unseres nächsten Etappenziels. Darin eingeschlossen die Durchquerung einer Ziegenherde samt kläffender Hirtenhunde. Wir werden allerdings auch mit einem schönen letzten Blick über den Pamvotida-See belohnt.


Irgendwann geht die Strasse in eine asphaltierte, aber immer noch sehr kurvenreiche Bergstrecke über. Dann fährt man plötzlich auf der Autobahn, nur um nach ein paar Kilometern wieder auf kurvenreicher Fahrbahn unterwegs zu sein. So geht das zwei Stunden lang, bis wir in der Ferne die Sandsteinfelsen von Meteora erblicken. Etappe 1 geschafft.

Nun, beinahe. Die Hauptattraktion liegt ja auf den Felsen oben drauf. Es geht kurvenreich zwischen denselben hindurch und nach oben. «Megálo Metéoro» – «Grosser Megalon» heisst unser erstes Ziel. Es ist ein Kloster, welches Mitte der 13hunderter von byzantinischen Mönchen gebaut wurde, um vor Angreifern geschützt zu sein. Von ihnen stammt der Name Meteora – «die in der Luft Schwebenden».

Schon weit davor sind Autos am Strassenrand geparkt. Wir stellen unser Glück auf die Probe und fahren an der Blechkette vorbei. Intuitiv schnappen wir uns eine Lücke, in die unser Froschdero grade so reinpasst. Selbstverständlich unter Anwendung der Warnblinkanlage. Es stellt sich heraus, dass dies der am Nächsten zum Eingang gelegene, freie Platz gewesen ist. In der Zwischenzeit herrscht wieder sonniges Wetter, allerdings begleitet von einem kühlen Wind
Über zahlreiche Treppen, zuerst hinunter, danach wieder hoch, kommt man in einen felsigen Tunnel. Dann weitere Treppen bis hoch zum Eingang wo wir das Eintrittsgeld spenden. Die Hausregeln verlangen, dass Frauen lange Röcke tragen müssen. In einem Korb liegen dafür blumige Pareos bereit, von denen Lydia sich einen um die Hüfte schlingt.

Die Anlage ist nett gestaltet. Nichts Überragendes, die Hauptattraktion ist der Blick von der Terrasse über die anderen Sandsteinfelsen mit ihren Klöstern obendrauf. Die hauseigene Kirche ist, wie hier üblich, mit Heiligenbildern bemalt. Dann gibt es noch eine Ausstellung mit alten Büchern, Gewändern und Segenskreuzen.

Bald haben wir den Rundgang beendet und kehren zu unserem Auto zurück. Unterwegs fordert eine Katze noch ihre Streicheleinheiten ein.

Die Panoramastraße führt im Halbkreis um die Sandsteinfelsen herum. Etwa in der Mitte gibt es einen Aussichtspunkt, von dem man einen kompletten Überblick über die Szenerie hat.

Wir vollenden den Halbkreis bis zum letzten Kloster, betreten aber keines mehr davon. Ich denke, hat man eines gesehen, hat man alle gesehen.
Viel drängender ist die Frage nach unserem leiblichen Wohl. Unten im Dorf Kalabaka lädt die Touri-Taverne Polyzou mit ihrer Terrasse nochmal zu einem Blick auf die Sandsteinfelsen und in ihre Speisekarte ein. Es gibt Lammkleftiko, einer stundenlang im Pergamentpapier geschmorten Lammhaxe, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Gut gefüttert nehmen wir den restlichen Weg unter die Räder. Unseren Vermieter schreiben wir sicherheitshalber an, dass wir in etwa zwei Stunden eintrudeln werden. Wieder wechseln sich Landstrasse und Autobahn ab. Bei der Stadt Volos glitzert uns eine hübsche blaue Wasserfläche entgegen. Von hier aus schlängelt sich eine Küstenstrasse am Pagasitischen Golf entlang, hin zu unserem Ziel Kato Gatzea auf der Halbinsel Pilion.
Eine rumpelige Betonstrasse führt zum Schluss für einen halben Kilometer durch einen Olivenhain. Dann steil hinunter zu einem kleinen Parkplätzchen, wo unser Vermieter uns in Empfang nimmt.
Der Arme ist ein wenig in Stress geraten, weil er nicht damit gerechnet hatte, daß jemand so kurzfristig seine Villa anmietet. Wir sind die ersten Mieter in dieser Saison. Das Haus hat er bezugsbereit gekriegt, aber draussen sind noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen, wie Sonnensegel spannen, Grillzubehör auffüllen oder Spülmaschinen-Tabs besorgen. Eine der Toiletten hat einen Defekt, der aber bald behoben ist und er beschafft uns noch den Begrüssungswein.
Für uns passt alles. Das Haus ist ein mediterraner Traum und der Ausblick über den Golf atemberaubend. Roomtour folgt, versprochen.
Ausserdem passt hier auch das Wetter. Zwar kriegen wir heute Abend noch ein paar Regentropfen ab, aber ab morgen herrscht hier Sommer. Auch versprochen.
Nach dem feudalen Mittagessen bei Meteora begnügen wir uns mit einem kalten zNacht auf dem überdachten Balkon. Die Reise war anstrengend und wir gehen dementsprechend früh in die Heia. Wie eigentlich jeden Abend.
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Tag 22 – Lingiades
Wie versprochen fällt draussen kalter Regen. Er ist der Grund, warum wir überhaupt diese Hütte ausgewählt haben. Normalerweise sollten wir jetzt in der Umgebung der zagorischen Dörfer und der Vikos Schlucht, nahe der albanischen Grenze, sein. Regen im Urlaub macht keinen Spass. Und schon gar nicht, wenn man in den Bergen ist. Wir sind jetzt auch in den Bergen, aber nur am Rande und mit einer komfortablen Hütte um uns herum. Ausflüge sind für heute nicht geplant. Deshalb gibt das hier einen sehr fotoarmen Beitrag, sorryyy.
Die bisherigen Prognosen sprachen nur von einem kurzfristigen Kälteeinbruch mit schneller Rückkehr zu griechisch-frühlingshaftem Wetter. Wie zuhause ist das auch hier in den Bergen mehr Raten als Wissen. Neuerdings soll uns der Regen ein paar Tage treu bleiben und die Temperaturen kaum über 10 Grad steigen. Wir brauchen nur kurz auf den Balkon raus zu treten um zu erfahren, wie sich das anfühlt. Der eisige Wind zieht durch sämtliche Kleidungsschichten, bis auf die nackte Haut. Wollen wir das?
Wir kommen zur Überzeugung, dass wir die Vikosschlucht… ja, halt Vikosschlucht bleiben lassen und sonnigere / wärmere Gefilde aufsuchen sollten. Schliesslich haben wir Urlaub und unbequem kann es jeder Dubel haben, ne?
Bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft ist uns das grottenschlechte Internet ganz und gar keine Hilfe. Es dauert lange, bis Seiten sich aufgebaut haben. Kartenausschnitte wollen geladen sein, Hausbewertungen gelesen. Preise verglichen werden. Es macht wirklich keinen Spass. So blöd es klingt, aber glücklicherweise herrscht draussen Sauwetter, so dass wir wegen der eingesetzten Zeit nicht reuig sind.
Trotzdem wäre es ganz nett, auch hier die Beine lang machen zu können und vielleicht einen Film auf dem durchaus grosszügigen Fernseher zu schauen.
Wir unterbrechen die Übung, setzen uns ins Auto und fahren nach Ioannina zum Einkaufen. Der Supermarkt ist top modern. An der Frischetheke stocken wir unsere Oliven-, Schinken- und Fleischvorräte auf. Dann noch Wein, Ouzo und Olivenöl. Ein total normaler griechischer Einkaufszettel.


Ausserdem nutzen wir die gute Internetverbindung und machen die Buchung für unsere nächste Bleibe klar.
Den Rest des Tages chillen wir noch ein bisschen auf der Couch, bevor die Chef the Cuisine uns ein leckeres Mahl zubereitet.
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Tag 21 – Ioannina
Schwanzwedelnd begrüsst uns ein Streuner vor unserer Tür, als wir zum Frühstück in die Taverne rübergehen.

Unser Gepäck ist weitestgehend bereit und wir geben uns noch einmal dem griechischen Überfluss am Frühstückstisch hin. Der Tag gibt sich noch einmal besonders Mühe, unsere Weiterreise mit blauem Himmel und Sonnenschein zu begleiten.

Wir wählen die romantische Strecke über die Hügel. Erster Stopp: Ziros-See. Wobei ‹Stopp› nicht das richtige Wort der Wahl ist. Der See liegt eingebettet zwischen einer Bergflanke und dichter Bewachsung. Wir rollen einfach langsam die Schotterstrasse am Ufer entlang, wo man gelegentlich zwischen den Büschen auf die spiegelglatte Wasseroberfläche sehen kann. Am Rastplatz mit der Kajak-Vermietung herrscht gähnende Leere. Es ist halt einfach noch nicht Saison.
Kurz darauf führt uns der Weg durch verbrannte Wälder. Schwarze Stümpfe ragen aus der nackten Erde. Ganze Hügelketten sind übersät mit verkohlten Überresten von Bäumen und Sträuchern. Der Brand ereignete sich am 14. Juli 2024 und war nach nur wenigen Stunden bereits unter Kontrolle der Feuerwehr, die mit grobem Gerät ausgerückt war. Keines der Gebäude, die teilweise inmitten der Brandstellen stehen, wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Auch nicht das nächste, historische Monument in Agios Georgios, welches wir nach wenigen Kilometern erreichen. Hier errichteten die Römer vor 2000 Jahren einen Aquädukt, der das hiesige, frische Quellwasser über den Fluss Louros in ein 50 km langes Kanalsystem für die Versorgung der Stadt Nikopolis beförderte. Weite Teile der Architektur stehen immer noch. Obwohl keine Frau darin eingemauert wurde.


Die Anlage ist wirklich sehr sehenswert, auch vor dem Hintergrund der photogenen Umgebung. Denkt sich auch ein Hund, der sich geschickt platziert, um nacheinander von begeisterten Touristen wie uns eine Portion Streicheleinheiten einzukassieren. Natürlich auch ganz photogen.

Kurvenreich führt die weitere Strecke durch immer bergigeres Terrain, bis wir unser Fast-Tagesziel, die Studentenstadt Ioannina, erreichen.
Ich verspiele gleich zu Beginn den Idiotenbonus, als ich versuche, unseren Grünling auf einem für uns unlesbar markierten Motorradparkstreifen abzustellen. Sofort werden wir von der Bevölkerung freundlich auf den Fehler aufmerksam gemacht. Andere Autofahrer, deren Fahrzeuge auf dem selben Streifen stehen, erhielten diesen Service offensichtlich nicht. Wir fühlen uns sehr geehrt.
Ein öffentlicher Parkplatz löst für schlappe 5 Euro dieses Problem. Ioannina liegt am Pamvotida See, wo es sich gut flanieren lässt. Wir lassen uns an einer Promenadenbar nieder, wo man praktischerweise gegen den kühlen Wind ein Feuer im Tischchen brennen hat. Gegenüber vom See erhebt sich das Mitsikeli-Massiv. Von hier aus lässt sich auch schon vage unsere Unterkunft ausmachen.

Wir unternehmen noch einen Spaziergang durch die örtliche Festung. Sie ist byzantinischen Ursprungs, wurde aber von den Osmanen stark ausgebaut. Die spitzen Bögen, der Hamam und die Moschee mit dem Minarett sind dafür sehr deutliche Anzeichen.


Ioannina macht einen sehr modernen und sauberen Eindruck. Durch die Universität ist sehr junges Publikum unterwegs. Es sollen bis zu 30000 Studenten sein. Ausserdem ist die Seepromenade sowie die Altstadt durch viele griechisch anmutende Besucher bevölkert. Nach zwei Stunden haben wir uns satt gesehen und begeben uns auf den letzten Abschnitt der heutigen Reise.
Nach Umrundung des Sees biegen wir etwa gegenüber von Ioannina in eine steil nach oben führende Strasse ein. 10 Minuten dauert die Fahrt über Serpentinen und an einer Schafherde vorbei, durch das Dorf Lingiades und weiter steil nach oben, bis wir vor der Villa Marilion, unserer aktuellen Behausung, zum Stehen kommen. Zeit für eine kleine Haustour.
Die Villa ist komplett neu renoviert. Alles ist noch unbenutzt und zum ersten Mal haben wir eine Unterkunft mit Zentralheizung, die wir auch bitter benötigen werden, denn wir sind hier auf tausend Meter Höhe und die Aussentemperaturen sind schon deutlich gesunken.

Selbstredend geniessen wir den Apéro vor diesem unglaublichen Panorama. Gegen den auffrischenden Wind rollen wir eine Blache herunter und können so die Balkonzeit verlängern. Für unser selbstgekochtes zNacht verziehen wir uns dann aber doch in den Innenbereich.

Die Nacht bricht herein. Die Lichter von Ioannina geben der Szenerie einen romantischen Touch. Einfach ein Traumplätzchen. Meine Bemühungen, den Blog weiter zu schreiben, werden allerdings durch die grottenschlechte Internetverbindung sabotiert. Legen wir uns schlafen und schauen, was morgen so passiert.

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Tag 20 – Koronisia
Wie beginnt man am besten einen Tag? Aufstehen. Rausschauen. Wegen Bewölkung wieder ins Bett gehen. Der Relaxtag tut gut. Nachdem wir schon gestern die große Runde über die Dämme von Koronisia unternommen haben, bleiben für heute auch nicht mehr sonderlich viele Pläne übrig.
Zwischenzeitlich lassen wir uns vom üppigen Frühstück nebenan mästen und setzen uns anschliessend auf die Terrasse. Der Ausblick ist herrlich. Nebenher suchen wir immer noch nach einer wetterverträglichen Route für die kommenden Tage.

Irgendwann schaut doch noch die Sonne hervor und wir raffen uns für einen kleinen Ausflug auf. Es soll auf Koronisia Pelikane und Flamingos geben. Bevor ein weiterer Spaziergang zu einer unbeabsichtigten Wanderung mutiert, fahren wir sicherheitshalber mit dem Auto zu den Ausgangspunkten.
Zuerst zum nordöstlichen Damm, der sich bis kurz vor das Festland durchzieht. Die Strasse ist nicht befestigt. Alle paar hundert Meter endet der Damm und eine Brücke stellt die Verbindung zum nächsten Damm her. An dieser Stelle steht dann auch jeweils ein kleines buntes Häuschen, das offenbar von Fischern bewohnt ist. Hier kann das Wasser vom offenen Golf, unter der Brücke durch, in die Lagune fliessen. Davor sind aber jeweils Fischzäune, sogenannte Ivari, aufgestellt.

Koronisia war früher tatsächlich eine richtige Insel ohne Landverbindung. Sie ist umgeben von Lagunen, deren Wassertiefe zwischen einem und zwei Meter beträgt. Hier erwärmt sich das Wasser schneller als der offene Golf. Der nährstoffreiche Süsswassereintrag aus den umliegenden Flüssen reduziert zusätzlich den Salzgehalt und bietet ideale Brut- und Futterbedingungen für Fische, die es vom Golf in die Lagunen zieht.

Mit dem Bau der Dämme in den 70er Jahren wurde die Bewirtschaftung der Lagunen für den Fischfang vereinfacht. Fische werden an den Fischzäunen kontrolliert abgefangen, wenn sie in die Lagunen gelangen möchten. Ausserdem gewann die Insel durch den Strassenzugang an Bedeutung für den Fremdenverkehr.
Leider ist es auch bei den bunten Häuschen mit der Romantik nicht weit her. Müll liegt überall herum und es ist schwer vorstellbar, dass die alten Autoreifen komplett mit Felgen sich irgendwie mit der Meeresströmung hierher gemogelt haben sollen.
Vereinzelt sind Graureiher zu sehen. Seemöwen sind deutlich in der Überzahl. Und tatsächlich, in der Ferne können wir einen einzelnen Pelikan ausmachen, der immer wieder seinen Kopf unter Wasser taucht. Physisch können wir unmöglich näher an ihn ran, aber mit dem Zoom gelingt uns dennoch eine passable Aufnahme.

Nach der vierten Brücke brechen wir die Übung auf dieser Seite ab. Wir fahren zurück und nehmen diesmal den asphaltierten, nordöstlichen Damm. Die Verbindung zum Festland stellt die ehemalige Insel Salaora her, auf der sich heute die Mündung des Flusses Louros befindet. Er wurde mit Dämmen verlängert, um sein Wasser besser in die Lagunen zu lenken. Dadurch wurde auch Salaora zum Festland.
An diesem Abschnitt unternehmen wir einen weiteren Versuch, Pelikane oder Flamingos zu sichten. Leider Fehlanzeige, es zeigen sich hier nur ein paar scheue Möwen und ein paar gar nicht scheue, streunende Hunde. Der Strand ist aber hübsch und es sieht so aus, als ob hier gelegentlich Camper Rast machen.


Auf dem Rückweg halten wir noch beim Yachthafen von Koronisia. Gleich am Anfang der Mole liegt ein Schiff unter Wasser. Die anderen Schiffe machen äusserlich den Eindruck, als würden sie in nicht allzu ferner Zukunft diesem Beispiel folgen.

Aus der Mitte des Hafenbeckens hören wir ein lautes Keuchen. Irgendetwas treibt dort im Wasser. Wir halten unsere Handys mit gezoomter Kamera auf die Stelle und warten geduldig. Bis eine Wasserschildkröte ihren Kopf aus dem Wasser hebt und nach Luft schnappt.

Zum Schluss erhält auch noch die Dorfkirche unsere Aufwartung. Bilder sind im Kasten, wir können ohne Gewissensbisse wieder nach Hause gehen.

Wir machen Apéro auf der Terrasse und ergötzen uns an der schönen Aussicht. Lange sind wir nicht alleine denn schon kurz darauf gesellt sich ein streunender Hund zu uns. Kein Betteln, kein erwartungsvolles Anstarren, er legt sich einfach hinter uns hin und geniesst offenbar nur unsere Gesellschaft.

Wir treffen unsere Reiseentscheidung für die kommenden Tage. Aus Wettergründen suchen wir uns ein weniger weit entferntes Ziel als ursprünglich geplant aus und legen einmal mehr den Fokus für unsere Unterkunft auf Komfort. Schnell ist die Buchung abgeschlossen und bestätigt.
Was essen wir heute? Da uns nicht wieder nach Fisch ist, auf Koronisia nichts Anderes zu kriegen und unser Zimmer nicht für grosse Kochkünste geeignet ist, werden wir nochmal der Stadt Arta unseren Besuch aufnötigen. Eine Stunde später sind wir geduscht und ausgehfein angezogen, als draussen «unser» Hund aufsteht, sich schüttelt, dabei eine gute Jahresernte Hundefell auf der Terrasse zurücklässt und von dannen zieht.
Unsere Anfahrt erfolgt diesmal, nach den gestrigen Erfahrungen, hoch professionell: Schnell ist eine geeignete Parklücke ausgemacht, die Warnblinkanlage aktiviert und unser Grüner in einem geschmeidigen Manöver eingeparkt. Kein Augenrollen vom vorbeifahrenden Volk, nichts. Wir gehören ab jetzt dazu.
Nun ja, wenn wir endlich die griechischen Hieroglyphen zu Lesen gelernt haben. Unsere Wunschtaverne für den heutigen Abend, To Vangelio, glänzt mit 4.8 Sternen bei den Google Bewertungen. Da hier alles auf griechisch angeschrieben und die Navigation in den Gassen nicht so akkurat ist, vergleichen wir mit vorgehaltenem Handy den Schriftzug auf Google Maps mit den Tafeln vor den Restaurants.
Wir werden fündig. Als einzige Gäste geniessen wir den hübschen Hinterhof, der von zwei prächtigen, voll beladenen Zitronenbäumen überdacht ist.

Die Wirtin erklärt uns mit Baustellen-Griechisch und Handzeichen, welche Gerichte auf der Karte heute verfügbar sind. Wir wählen eine gefüllte Aubergine und ein geschmortes Rindfleischgericht an Senfsauce. Zart, saftig und richtig lecker.

Wie immer ist auch die Rückfahrt beinahe verkehrsfrei und entspannt. Wir geniessen noch ein bisschen das schöne Abendrot von unser Terrasse aus, gehen dann aber früh zu Bett, denn morgen ist wieder Abreise angesagt.
