Griechenland 2026,  Reisen

Tag 21 – Ioannina

Schwanzwedelnd begrüsst uns ein Streuner vor unserer Tür, als wir zum Frühstück in die Taverne rübergehen.

Unser Gepäck ist weitestgehend bereit und wir geben uns noch einmal dem griechischen Überfluss am Frühstückstisch hin. Der Tag gibt sich noch einmal besonders Mühe, unsere Weiterreise mit blauem Himmel und Sonnenschein zu begleiten.

Wir wählen die romantische Strecke über die Hügel. Erster Stopp: Ziros-See. Wobei ‹Stopp› nicht das richtige Wort der Wahl ist. Der See liegt eingebettet zwischen einer Bergflanke und dichter Bewachsung. Wir rollen einfach langsam die Schotterstrasse am Ufer entlang, wo man gelegentlich zwischen den Büschen auf die spiegelglatte Wasseroberfläche sehen kann. Am Rastplatz mit der Kajak-Vermietung herrscht gähnende Leere. Es ist halt einfach noch nicht Saison.

Kurz darauf führt uns der Weg durch verbrannte Wälder. Schwarze Stümpfe ragen aus der nackten Erde. Ganze Hügelketten sind übersät mit verkohlten Überresten von Bäumen und Sträuchern. Der Brand ereignete sich am 14. Juli 2024 und war nach nur wenigen Stunden bereits unter Kontrolle der Feuerwehr, die mit grobem Gerät ausgerückt war. Keines der Gebäude, die teilweise inmitten der Brandstellen stehen, wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Auch nicht das nächste, historische Monument in Agios Georgios, welches wir nach wenigen Kilometern erreichen. Hier errichteten die Römer vor 2000 Jahren einen Aquädukt, der das hiesige, frische Quellwasser über den Fluss Louros in ein 50 km langes Kanalsystem für die Versorgung der Stadt Nikopolis beförderte. Weite Teile der Architektur stehen immer noch. Obwohl keine Frau darin eingemauert wurde.

Die Anlage ist wirklich sehr sehenswert, auch vor dem Hintergrund der photogenen Umgebung. Denkt sich auch ein Hund, der sich geschickt platziert, um nacheinander von begeisterten Touristen wie uns eine Portion Streicheleinheiten einzukassieren. Natürlich auch ganz photogen.

Kurvenreich führt die weitere Strecke durch immer bergigeres Terrain, bis wir unser Fast-Tagesziel, die Studentenstadt Ioannina, erreichen.

Ich verspiele gleich zu Beginn den Idiotenbonus, als ich versuche, unseren Grünling auf einem für uns unlesbar markierten Motorradparkstreifen abzustellen. Sofort werden wir von der Bevölkerung freundlich auf den Fehler aufmerksam gemacht. Andere Autofahrer, deren Fahrzeuge auf dem selben Streifen stehen, erhielten diesen Service offensichtlich nicht. Wir fühlen uns sehr geehrt.

Ein öffentlicher Parkplatz löst für schlappe 5 Euro dieses Problem. Ioannina liegt am Pamvotida See, wo es sich gut flanieren lässt. Wir lassen uns an einer Promenadenbar nieder, wo man praktischerweise gegen den kühlen Wind ein Feuer im Tischchen brennen hat. Gegenüber vom See erhebt sich das Mitsikeli-Massiv. Von hier aus lässt sich auch schon vage unsere Unterkunft ausmachen.

Wir unternehmen noch einen Spaziergang durch die örtliche Festung.  Sie ist byzantinischen Ursprungs, wurde aber von den Osmanen stark ausgebaut. Die spitzen Bögen, der Hamam und die Moschee mit dem Minarett sind dafür sehr deutliche Anzeichen.

Ioannina macht einen sehr modernen und sauberen Eindruck. Durch die Universität ist sehr junges Publikum unterwegs. Es sollen bis zu 30000 Studenten sein. Ausserdem ist die Seepromenade sowie die Altstadt durch viele griechisch anmutende Besucher bevölkert. Nach zwei Stunden haben wir uns satt gesehen und begeben uns auf den letzten Abschnitt der heutigen Reise.

Nach Umrundung des Sees biegen wir etwa gegenüber von Ioannina in eine steil nach oben führende Strasse ein. 10 Minuten dauert die Fahrt über Serpentinen und an einer Schafherde vorbei, durch das Dorf Lingiades und weiter steil nach oben, bis wir vor der Villa Marilion, unserer aktuellen Behausung, zum Stehen kommen. Zeit für eine kleine Haustour.

Die Villa ist komplett neu renoviert. Alles ist noch unbenutzt und zum ersten Mal haben wir eine Unterkunft mit Zentralheizung, die wir auch bitter benötigen werden, denn wir sind hier auf tausend Meter Höhe und die Aussentemperaturen sind schon deutlich gesunken.

Selbstredend geniessen wir den Apéro vor diesem unglaublichen Panorama. Gegen den auffrischenden Wind rollen wir eine Blache herunter und können so die Balkonzeit verlängern. Für unser selbstgekochtes zNacht verziehen wir uns dann aber doch in den Innenbereich.

Die Nacht bricht herein. Die Lichter von Ioannina geben der Szenerie einen romantischen Touch. Einfach ein Traumplätzchen. Meine Bemühungen, den Blog weiter zu schreiben, werden allerdings durch die grottenschlechte Internetverbindung sabotiert. Legen wir uns schlafen und schauen, was morgen so passiert.

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