Tag 18 – Bye-bye Peloponnes
Gefühlt bleiben wir immer länger im Bett liegen, bevor wir uns an die frische Luft trauen. Heute ist es draussen immer noch wunderschön sonnig, aber ein kühler Wind nötigt einem das Jäckchen auf, als wir eisern unser Frühstück auf der Terrasse einnehmen. Zum letzten Mal in dieser Gegend. Weil heute ist ein ganz grosser Abreisetag. Wir werden schweren Herzens den Peloponnes Richtung Norden verlassen. An uns liegt es nicht, aber die Ferienzeit ist begrenzt und Griechenland halt doch schon ziemlich gross und abwechslungsreich.
Unsere Gastgeber verabschieden uns persönlich. Ihr Englisch ist etwas so gut wie unser Griechisch. Die totale Herzlichkeit. Unter Umarmungen wünschen Sie uns alles Gute für die Weiterfahrt.
Laut Navi haben wir heute 5 Stunden Fahrt über 400 km griechisches Strassenmaterial zu bewältigen. Unser hochbeiniger Rumäne wird das schon packen. Der Tank ist dreiviertel voll, das Gepäck verladen und unser Gastgeber entfernt mit seinem Taschenmesser störende Steinchen aus dem Reifenprofil. Es kann also nichts mehr schiefgehen.

Auf beinahe leeren Strassen geniessen wir einmal mehr die Fahrt durch die bunte Natur. Es heisst, dass der Peloponnes die schönste Region Griechenlands sei. Wir sind einmal gespannt, ob andere Regionen diese freche Behauptung einfach so widerspruchsfrei akzeptieren werden.

Auf halber Strecke machen wir einen Abstecher nach Varda und von dort aus die romantische Strecke zum Meer. Dort finden wir 10 Minuten später die Strandbar / Taverne / Camper-Geheimlocation «Ionos Blue» an einem menschenleeren Traumstrand.

Hier wird Fleisch vom Holzkohlegrill feilgeboten. Die Portionen sind einmal mehr griechisch üppig. Das Schweinekotelette nimmt fast die ganze Tischbreite ein und mit den Lammracks könnte man Tischtennis spielen. Offensichtlich machte die Fahrt hungrig, denn wir schaffen beide unsere Portionen. Es bleiben allerdings mehr Knochen und Fett übrig, als wir von zu Hause gewohnt sind.

Weiterfahrt. Ein Grossteil der Strecke findet auf der Autobahn statt. Die Gebühren sind teuer. Am Ende der Reise werden wir 34 Euro an den Zahlstellen abgedrückt haben. Dafür ist das Fahrerlebnis einmalig; gelegentlich überholt man mal einen Lastwagen, ansonsten hat man beide Spuren über weite Strecken für sich ganz alleine.

Bei Griechenlands drittgrösster Stadt Patras verbindet eine Schrägseilbrücke den Peloponnes mit Zentralgriechenland. Wir verlassen kurz vor dem Übergang die Autobahn, um dieses gigantische Bauwerk fotografisch sowie mit eigenen Augen festzuhalten. Die Gesamtlänge beträgt 2,8 km. Die Pylone sind bis zu 160m hoch und halten die Fahrbahn auf einer Höhe von bis zu 50m, damit der Schiffsverkehr von und zum Golf von Korinth ungehindert passieren kann.

Seit 2004 ist die Brücke für den Strassenverkehr freigegeben. Davor konnte man die Meerenge nur per Fähre passieren, die heute immer noch verkehren. Zufälligerweise haben wir den Fährhafen für die Brücken-Fotosession angesteuert und beobachten nun, wie Autos von der Rampe eines anlegenden Fährschiffs herunterfahren, obwohl dieses noch am Manövrieren ist. Siga siga…
Nach der Brückenüberquerung werden wir an der Mautstelle zur Kasse gebeten. Rund die Hälfte der heute bezahlten Gebühren werden hier fällig.
Nach einer weiteren Stunde gemütlichen Dahinrasens verlassen wir die Autobahn bei der Stadt Arta. Unser Saufdero erweist sich bei Autobahnfahrt als gieriger Schluckspecht und wir sehen uns genötigt, ihm an der nächsten Tankstelle einen üppigen Drink in den beinahe leeren Tank zu kredenzen.
Unser Fahrtziel ist die Insel Koronisia im Ambracischen Golf. Sie ist mit dem Festland durch eine Dammstrasse verbunden. Starker Wind wühlt die See auf. Wellen schlagen gegen den Damm und es fühlt sich an, als würden wir mit unserem Autochen der hohen See trotzen. Nach gut 20 Minuten rollen wir vor unserer Unterkunft ein.
Es sind sechs Studios, wovon derzeit vier vermietet sind. Wir bewohnen das Mittlere im Erdgeschoss, einem langen Schlauch mit Sofa, Bett, Kitchenette und Bad. Der Check-In ist unkompliziert – der Schlüssel steckt einfach in der Tür.
Von dem vorgelagerten Terrässchen haben wir einen traumhaften Blick über Lagunen und dem Sonnenuntergang.

Leider kommt der starke Wind aus der gleichen Richtung. Das Sitzen im Freien wird mit der Zeit ein wenig ungemütlich. Macht nichts, die lange Fahrt fordert eh schon ihren Tribut. Gross Hunger haben wir dank der heutigen Fleischorgie auch nicht mehr. So bestreiten wir mit unseren Vorräten ein kleines zNacht und legen uns früh schlafen. Morgen ist noch Zeit genug, die Schönheit dieser Region zu entdecken und zu feiern.