Griechenland 2026,  Reisen

Tag 20 – Koronisia

Wie beginnt man am besten einen Tag? Aufstehen. Rausschauen. Wegen Bewölkung wieder ins Bett gehen. Der Relaxtag tut gut. Nachdem wir schon gestern die große Runde über die Dämme von Koronisia unternommen haben, bleiben für heute auch nicht mehr sonderlich viele Pläne übrig.

Zwischenzeitlich lassen wir uns vom üppigen Frühstück nebenan mästen und setzen uns anschliessend auf die Terrasse. Der Ausblick ist herrlich. Nebenher suchen wir immer noch nach einer wetterverträglichen Route für die kommenden Tage.

Irgendwann schaut doch noch die Sonne hervor und wir raffen uns für einen kleinen Ausflug auf. Es soll auf Koronisia Pelikane und Flamingos geben. Bevor ein weiterer Spaziergang zu einer unbeabsichtigten Wanderung mutiert, fahren wir sicherheitshalber mit dem Auto zu den Ausgangspunkten.

Zuerst zum nordöstlichen Damm, der sich bis kurz vor das Festland durchzieht. Die Strasse ist nicht befestigt. Alle paar hundert Meter endet der Damm und eine Brücke stellt die Verbindung zum nächsten Damm her. An dieser Stelle steht dann auch jeweils ein kleines buntes Häuschen, das offenbar von Fischern bewohnt ist. Hier kann das Wasser vom offenen Golf, unter der Brücke durch, in die Lagune fliessen. Davor sind aber jeweils Fischzäune, sogenannte Ivari, aufgestellt.

Koronisia war früher tatsächlich eine richtige Insel ohne Landverbindung. Sie ist umgeben von Lagunen, deren Wassertiefe zwischen einem und zwei Meter beträgt. Hier erwärmt sich das Wasser schneller als der offene Golf. Der nährstoffreiche Süsswassereintrag aus den umliegenden Flüssen reduziert zusätzlich den Salzgehalt und bietet ideale Brut- und Futterbedingungen für Fische, die es vom Golf in die Lagunen zieht.

Mit dem Bau der Dämme in den 70er Jahren wurde die Bewirtschaftung der Lagunen für den Fischfang vereinfacht. Fische werden an den Fischzäunen kontrolliert abgefangen, wenn sie in die Lagunen gelangen möchten. Ausserdem gewann die Insel durch den Strassenzugang an Bedeutung für den Fremdenverkehr.

Leider ist es auch bei den bunten Häuschen mit der Romantik nicht weit her. Müll liegt überall herum und es ist schwer vorstellbar, dass die alten Autoreifen komplett mit Felgen sich irgendwie mit der Meeresströmung hierher gemogelt haben sollen.

Vereinzelt sind Graureiher zu sehen. Seemöwen sind deutlich in der Überzahl. Und tatsächlich, in der Ferne können wir einen einzelnen Pelikan ausmachen, der immer wieder seinen Kopf unter Wasser taucht. Physisch können wir unmöglich näher an ihn ran, aber mit dem Zoom gelingt uns dennoch eine passable Aufnahme.

Nach der vierten Brücke brechen wir die Übung auf dieser Seite ab. Wir fahren zurück und nehmen diesmal den asphaltierten, nordöstlichen Damm. Die Verbindung zum Festland stellt die ehemalige Insel Salaora her, auf der sich heute die Mündung des Flusses Louros befindet. Er wurde mit Dämmen verlängert, um sein Wasser besser in die Lagunen zu lenken. Dadurch wurde auch Salaora zum Festland.

An diesem Abschnitt unternehmen wir einen weiteren Versuch, Pelikane oder Flamingos zu sichten. Leider Fehlanzeige, es zeigen sich hier nur ein paar scheue Möwen und ein paar gar nicht scheue, streunende Hunde. Der Strand ist aber hübsch und es sieht so aus, als ob hier gelegentlich Camper Rast machen.

Auf dem Rückweg halten wir noch beim Yachthafen von Koronisia. Gleich am Anfang der Mole liegt ein Schiff unter Wasser. Die anderen Schiffe machen äusserlich den Eindruck, als würden sie in nicht allzu ferner Zukunft diesem Beispiel folgen.

Aus der Mitte des Hafenbeckens hören wir ein lautes Keuchen. Irgendetwas treibt dort im Wasser. Wir halten unsere Handys mit gezoomter Kamera auf die Stelle und warten geduldig. Bis eine Wasserschildkröte ihren Kopf aus dem Wasser hebt und nach Luft schnappt.

Zum Schluss erhält auch noch die Dorfkirche unsere Aufwartung. Bilder sind im Kasten, wir können ohne Gewissensbisse wieder nach Hause gehen.

Wir machen Apéro auf der Terrasse und ergötzen uns an der schönen Aussicht. Lange sind wir nicht alleine denn schon kurz darauf gesellt sich ein streunender Hund zu uns. Kein Betteln, kein erwartungsvolles Anstarren, er legt sich einfach hinter uns hin und geniesst offenbar nur unsere Gesellschaft.

Wir treffen unsere Reiseentscheidung für die kommenden Tage. Aus Wettergründen suchen wir uns ein weniger weit entferntes Ziel als ursprünglich geplant aus und legen einmal mehr den Fokus für unsere Unterkunft auf Komfort. Schnell ist die Buchung abgeschlossen und bestätigt.

Was essen wir heute? Da uns nicht wieder nach Fisch ist, auf Koronisia nichts Anderes zu kriegen und unser Zimmer nicht für grosse Kochkünste geeignet ist, werden wir nochmal der Stadt Arta unseren Besuch aufnötigen. Eine Stunde später sind wir geduscht und ausgehfein angezogen, als draussen «unser» Hund aufsteht, sich schüttelt, dabei eine gute Jahresernte Hundefell auf der Terrasse zurücklässt und von dannen zieht.

Unsere Anfahrt erfolgt diesmal, nach den gestrigen Erfahrungen, hoch professionell: Schnell ist eine geeignete Parklücke ausgemacht, die Warnblinkanlage aktiviert und unser Grüner in einem geschmeidigen Manöver eingeparkt. Kein Augenrollen vom vorbeifahrenden Volk, nichts. Wir gehören ab jetzt dazu.

Nun ja, wenn wir endlich die griechischen Hieroglyphen zu Lesen gelernt haben. Unsere Wunschtaverne für den heutigen Abend, To Vangelio,  glänzt mit 4.8 Sternen bei den Google Bewertungen. Da hier alles auf griechisch angeschrieben und die Navigation in den Gassen nicht so akkurat ist, vergleichen wir mit vorgehaltenem Handy den Schriftzug auf Google Maps mit den Tafeln vor den Restaurants.

Wir werden fündig. Als einzige Gäste geniessen wir den hübschen Hinterhof, der von zwei prächtigen, voll beladenen Zitronenbäumen überdacht ist.

Die Wirtin erklärt uns mit Baustellen-Griechisch und Handzeichen, welche Gerichte auf der Karte heute verfügbar sind. Wir wählen eine gefüllte Aubergine und ein geschmortes Rindfleischgericht an Senfsauce. Zart, saftig und richtig lecker.

Wie immer ist auch die Rückfahrt beinahe verkehrsfrei und entspannt. Wir geniessen noch ein bisschen das schöne Abendrot von unser Terrasse aus, gehen dann aber früh zu Bett, denn morgen ist wieder Abreise angesagt.

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