Griechenland 2026,  Reisen

Tag 2 – Auf Schuster’s Rappen

Die Nacht war verhältnismässig ruhig dafür, dass wir mitten im Herzen Athens logieren. Ein sonniger, aber windiger Tag begrüsst uns, als wir die Storen vor den Fenstern hochfahren und mit dem unvermeidlichen Blick auf die Akropolis belohnt werden. Da wollen wir heute hin!

Es gibt verschiedene Wege zum Ziel. Hop-on/-off Busse sind für gewöhnlich unsere erste Wahl. Die Internet Community rät aber für Athen davon ab. Die Sehenswürdigkeiten liegen alle kompakt um die Akropolis herum verteilt und sind fussläufig gut erreichbar. Das Geld kann man sich sparen, ausser, man möchte unbedingt Teil des hiesigen Verkehrsstaus werden. Wir können ohnehin schon fast bis zur Akropolis spucken. Die Entscheidung ist gefällt, wir gehen zu Fuss.

Schon beinahe routiniert schlendern wir durch die Touri-Meile, immer der Nase nach. Hinter dem Monastiraki-Platz geht es langsam in die Höhe, durch gepflegte Gässchen und Treppen an netten Villen vorbei. Keine 20 Minuten seit Verlassen unserer Unterkunft stehen wir vor der Ticketausgabe. Mein Handy ist zahlbereit, als mir die freundliche Dame zwei Gratis-Tickets überreicht. Heute ist Nationaler Archäologietag, und da ist der Eintritt zu sämtlichen griechischen Kulturstätten kostenlos. Schnell blättere ich nach, wann Nationaler Weintag ist…

Wir flutschen durch die Eingangskontrolle und steigen gemessenen Schrittes zur Akropolis hoch. «Akrò» bedeutet «hoch» und «polis» die «Stadt». Also quasi die Oberstadt. Einst Sitz der Könige. Irgendwann religiöse Kultstätte, oft genug militärische Anlage und heutzutage eben eine Touristenattraktion.

Eine säulenbewehrte Anlage markiert den Eingang und schon stehen wir vor dem Allerheiligsten aller griechischen Wahrzeichen, dem Parthenon. Erbaut vor 2500 Jahren als Tempel unter Perikles. Danach gaben sich verschiedene Besatzer mehr oder weniger gewalttätig die Klinke – sprich die Säulen – in die Hand, bis sie im 17. Jahrhundert im Krieg gegen die Osmanen unter ziemlich dummen Umständen zerstört wurde.

Pflichtschuldig betrachten wir die Jahrtausende alte Architektur. Noch faszinierender ist der Rundblick über das schier unendliche Häusermeer von Athen. In der Ferne sind die Containerbrücken von Piräus und das Meer zu erkennen. Das Ganze bei strahlendem Sonnenschein und durchaus angenehmen Temperaturen. Dennoch, ein kräftiger Ostwind droht unsere Kappen vom Kopf zu reissen.

Nach einer Stunde hat man sich an den Ruinen satt gesehen. Zeit, wieder zu den neuzeitlichen Bauruinen Athens zurückzukehren. An der Südflanke schlendern wir nach unten. Zu unserer Rechten liegt das Dyonisostheater. Mit über 3000 Jahren auf dem Buckel schaut es noch ganz passabel aus.

Unten angekommen schauen wir beim Zeus-Tempel vorbei. Mächtige Säulen in noch mächtigeren Baugerüsten, nicht wirklich wert, dafür den an anderen Tagen fälligen Eintritt zu bezahlen.

Gleich um die Ecke liegt das Stadion der ersten modernen Olympischen Spiele von 1896. Wir schauen es uns nur kurz von aussen an, denn noch viel wichtiger als tote Steine sind uns mittlerweile die grossen Löcher in unseren Mägen. Die schwierige Suche nach einer würdigen Stätte Zwecks Befüllung besagter Löcher beginnt.

Ein Park führt uns an die südöstliche Flanke der Akroplis heran. Hier liegt der Stadtteil Plaka, eine ebenfalls stark vom Tourismus geprägte Gegend. Der Maestro der Taverne Ionos wirbt charmant um unsere Gunst. Er strahlt gastronomische Kompetenz aus und so schlagen wir ein. Zwei Ouzos stehen sofort auf dem Tisch. Wir entscheiden uns für eine griechische Meze-Platte, die auch bald geliefert wird und sich als ausreichend für die Stillung unseres Hungers erweist. Zusammen mit einer leckeren Baklava und zwei Greek Coffee als Nachspeise, versteht sich. Bei soviel Greekness empfinden wir es beinahe schon als ungehobelte Zumutung, als ein Kellner versucht, uns fälschlicherweise eine Touri-Pizza zu servieren.

Danach klettern wir weiter die Südostflanke der Akropolis hoch, in Richtung unserer Behausung. Schmale Pfade winden sich zwischen kalkweissen Häuschen hindurch, bevor es am nördlichen Hang durch zahlreiche Gassen, Plätze, Trümmerfelder voller Tempelsteine und lange, basarähnliche Einkaufsstrassen hinuntergeht. Wir erstehen an verschiedenen Ecken frische Erdbeeren, Gewürzmischungen sowie Feta-Käse. Es ist schon bald 16 Uhr und wir beschliessen, den Rest des Tages auf unserer schicken Terrasse zu verbringen.

Nach einer entspannenden Dusche in unserem Mini-Bad und einer ausgedehnten Siesta ziehen wir uns beim Apéro die abendlichen Sonnenstrahlen hinein. Lydia zaubert mit minimalster Ausrüstung ein leckeres Tsatziki, welches wir uns zusammen mit Oliven, Tomaten, Feta, Kräckern und einem guten Glas griechischen Weines kredenzen.

Es war den ganzen Tag über sehr windig. Mit dem Sonnenuntergang verschwindet dann auch die Wärme und wir flüchten ins Innere. Lydia operiert mir noch einen Holzsplitter aus einer Zehe, den ich mir auf dem Holzdeck eingefangen hatte. Während draussen auf der Akropolis die Lichter angehen, gehen sie bei uns ziemlich schnell aus. Gute Nacht.

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