Tag 3 – Piräus
Unser kleines Studio mitten in Athen erweist sich als kleiner Geheimtipp. Von aussen darf man natürlich nicht zu genau hinsehen. Die Hütte sieht wirklich abgewrackt aus. Dann die ganzen wild montierten Fernsehantennen auf dem Dach. Falls die Aliens irgendwo landen, sollten, dann ganz bestimmt hier. Aber die Aussicht und die Lage so nah zu allen Sehenswürdigkeiten ist einfach einmalig!
Auch unser Bad ist sehr speziell. Die Dusche ist mittig abgetrennt durch zwei Duschvorhänge, was bedeutet, dass man nur mit einem langen Schritt auf die Toilette kommt, wenn man keine nassen Füsse bekommen möchte. Das grosse oder kleine Geschäft erlaubt aber zur Belohnung einen exzellenten Blick auf die Akropolis.

An diesem sonnigen Sonntagmorgen entscheiden wir uns spontan, einen kleinen Ausflug in die Hafenstadt Piräus zu wagen. Der Hafen soll mit seinen vielen Kreuzfahrtschiffen sehr sehenswert sein. Außerdem gibt es eine grosse Marina. Mit der Metro kommt man in 20 Minuten hin.
Auf dem Weg zur U-Bahn Station Monastiraki gelangen wir an einer Kirche vorbei, in der sonore Kirchengesänge zu vernehmen sind. Der Gottesdienst wird hierzulande offenbar noch sehr ernst genommen und man sieht auch viele junge Menschen, die die Kirche betreten.
Drei lange Rolltreppen führen in die Tiefe zu den Bahnsteigen. Wir verpassen unseren Zug um wenige Sekunden. Kein Problem, der Nächste fährt in 10 Minuten. Es ist erstaunlich, wie top modern und sauber diese Station aussieht – ganz im Gegensatz zum Zustand der Gebäude an der Oberfläche. Noch ungriechischer ist die Tatsache, dass der nächste Zug pünktlich einfährt und ebenso modern und sauber wie die Station aussieht. Unter gut gedämpftem Heulen rast er mit uns Richtung Meer.

An der Endstation Dimotiko Theatro steigen wir aus und gelangen wieder an die Erdoberfläche. Google Gemini schlägt uns eine Busverbindung zum Hafen vor, denn mit den griechischen Hieroglyphen an dem Bushaltestellen wären wir nie und nimmer alleine dazu in der Lage gewesen.
Ein paar Stationen und ein kleiner Fussmarsch später dann die Ernüchterung. Der Zugang zu den Hafenanlagen wird streng kontrolliert. Es gibt auch keine Promenade, von der man ungehindert auf die Schiffe gucken könnte. Alles ist eingezäunt, zu weit vom Wasser entfernt oder durch Gebäude verdeckt. Keine Aussichtsplattformen oder Ähnliches. Nach einer Viertelstunde geben wir die Übung auf und wenden uns in Richtung der Marina in der Stadtmitte zu.

Diese ist ganz nett anzusehen und man sieht ein paar hübsche Schiffchen liegen. Das Ganze ist aber von einer stark befahrenen, lärmigen Strasse umgeben, welche die meisten Restaurants von der Promenade trennt. Manche betreiben quasi einen Aussenposten auf der Promenade, doch viele haben noch gar nicht geöffnet oder sind bereits restlos besetzt. So setzen wir uns in das italienische Restaurant FlaVino, welches wenigstens mit einem gediegenen Interieur, einer gepflegten Speisekarte und einem überaus charmanten Service punkten kann.
Nach dem Essen hätten wir noch eine Exkursion zur äusseren Marina Mikrolimano unternehmen können, aber nach den bisherigen Eindrücken wollten wir nicht noch einmal enttäuscht werden. Wir beschliessen, nach Athen zurückzukehren und den Rest des Tages auf unserer Terrasse zu entspannen.
Nach einem kleinen Fussmarsch zurück zur U-Bahn Station freuen wir uns auf eine gemütliche Rückfahrt. Weit gefehlt, die Athener Verkehrsbetriebe schicken uns die älteste Klapperkiste, die sie offensichtlich an Lager haben. Baujahr gefühlt kurz nach dem Spatenstich für den Parthenon. Der Lärm an Bord ist zuweilen ohrenbetäubend. Nach 20 Minuten ist es überstanden. Auf dem Weg zur Unterkunft decken wir uns mit Apéro-Zubehör ein.
Die anschliessende Dusche ist besonders ausgedehnt und entspannend. Der Apéro steht dem in Nichts nach und wir geniessen die sonnige Wärme. Eine junge Taube gesellt sich zu uns und pickt alles auf, was uns aus den Händen «fällt».
Mit dem Sonnenuntergang wird es draussen zu kalt. Unser Studio verfügt drinnen über einen Esstisch. Viel Hunger haben wir nach dem üppigen Mahl im FlaVino und dem Apéro aber eh nicht und so reichen uns die Reste aus dem Kühlschrank locker aus.
Danach widmen wir uns auf der Lounge der Planung unseres nächsten Zieles, denn morgen ist Abreisezeit und wir haben noch keine Unterkunft gebucht. Morgen löst sich alles Weitere auf. Gute Nacht.
3 Kommentare
Fredy Gerber
Suuuper Reisebericht Patrick !
Remy
Vorteil bei dieser Badkonfiguration: günstiger als Geberit, man nennt es auch Dusch-WC
Patrick
Der Duschschlauch war zu kurz. Frag nicht, woher ich das weiss