Tag 10 – Zeig uns den Mittelfinger
Etwas ist anders heute morgen, nur was? Auch heute scheint die Sonne, die Vögel zwitschern, der Blick über das Meer ist traumhaft. Selbst die Frachtschiffe von gestern liegen noch unten vor Anker. Ach ja: der Wind ist weg! Und wir reisen heute mit einem kleinen bisschen Wehmut ab.

Wir machen Ordnung im Haus und packen unsere Siebensachen zusammen. Siga Siga, wir haben viel Zeit bis zum Checkout. Punkt 11 Uhr verschliessen wir die Tür, bereit für ein neues Abenteuer. Eine Schildkröte kriecht am Strassenrand entlang, vermutlich, um uns eine gute Reise zu wünschen.

Wir verlassen Neapoli Richtung Norden. Mit 25° sind die Temperaturen deutlich höher als in den vergangenen Tagen. Schon bald bereuen wir, dass wir uns eher frühlingshaft gekleidet haben. Egal, unser Qualmdero ist klimatisiert.
Beim Küstenort Valtaki machen wir einen kleinen Abstecher zum Strand. Mit hochgekrempelten Hosenbeinen und nackten Füssen waten wir durch das klare Wasser des Lakonischen Golfes.
Und stehen vor dem rostigen Wrack des Frachtschiffes ‹Dimitros›. Anfang der achtziger Jahre war die Reederei pleite und das Schiff gammelte im gegenüberliegenden Hafen von Gythos vor sich hin. Die Hafenbehörde schleppte es in die Bucht und legte es vor Anker. Während eines Sturmes riss die Ankerkette und das Schiff lief auf den Strand an seinem jetzigen Standort auf. Seither ist es ein Openair-Kunstobjekt und eines der am meisten fotografierten Motive auf dem Peloponnes. Womit wir hiermit ebenfalls dazu beitragen.


Hier beginnt auch der Übergang auf den Mittelfinger des Peloponnes, der Halbinsel Mani. Wir fahren weiter in den eben erwähnten Ort Gythos. Zu Fuss erkunden wir die Hafenpromenade und setzen uns an einem zentralen Platz auf einen Drink hin. Viele Einheimische begegnen sich hier. Alle tragen ihre gute Garderobe, denn es ist Sonntag und hierzulande hat der Tag des Herrn eine feierliche, gesellige Bedeutung. In der Ferne erhebt sich ein Berg mit schneebedecktem Gipfel.

Wir gönnen uns noch einen Abstecher zum örtlichen Leuchtturm. Die Zufahrt zum Parkplatz verläuft über eine schmale Mole und man muss gut aufpassen, dass man seinen Mietwagen nicht versehentlich in ein U-Boot umfunktioniert. Oder Fussgänger ins Wasser stößt, die freundlich in Einerkolonne entlangspazieren.

Weiter geht’s Richtung Süden. Die üppige Vegetation ist überwältigend. Abgesehen von den vielen Sträuchern und Blumen führt die Strasse durch riesige Plantagen voller Oliven-, Orangen- und Zitronenbäume.
Wir durchqueren die Halbinsel von Osten nach Westen, wo das Gelände felsiger und steppenhafter wird. Im Hauptort Areopoli leitet uns Google durch schmale, holprige Gassen hinunter Richtung Meer. Bis wir im kleinen Örtchen Omales vor der Villa Aurora, unserer Behausung für die nächsten Tage, stehen.
In der Nachbarschaft geht es hoch her. Laute Diskussionen, Kindergeschrei, Hundegebell. Es ist eben Sonntag und die Griechen feiern Familienzusammenkunft. Das gehört halt zum Ferienerlebnis dazu, also Siga Siga.
Die Villa Aurora ist im mittelalterlichen Stil mit Natursteinfassade gebaut und einfach ein Traum. Ein grosses Wohnzimmer mit Küche, zwei Schlafzimmer, einer Veranda sowie einer Terrasse mit einem Traumblick ins Grüne und über das Meer. Ferienherz, was willst Du mehr?
Schnell haben wir unser Gepäck eingeräumt und Lydia einen Apéro auf den Gartentisch gezaubert. Ganz ohne Wind und mit viel Sonne stossen wir auf unsere Ankunft an.
Danach machen wir uns ausgehfein. Unsere Vermieter haben uns eine Fischtaverne in Karavostasi, etwa 15 Minuten Autofahrt entfernt, empfohlen. Sie liegt direkt am Meer in einer Bucht und hat – natürlich – saisonhalber nur wenige Gäste. Wir suchen uns einen stattlichen Wolfsbarsch von 1.5 Kg aus, der uns 20 Minuten später gegrillt serviert wird.


Wir kommen mit unseren einzigen Tischnachbarn, einem Paar Mitte 70 aus Holland, ins Gespräch. Sie sind im Februar mit ihrem Camper von zuhause gestartet. Erst nach Sizilien, dann nach Tunesien und jetzt für einige Wochen in Griechenland. Ihr nächstes Ziel machen sie von den Temperaturen abhängig, bevor sie im September wieder nach Hause zurückkehren. Die Unterhaltung ist kurzweilig und interessent. Spät verabschieden wir uns voneinander und fahren bei stockfinsterer Nacht zurück zu unserer Bleibe.
Ein Kommentar
Fredy Gerber
Sali zämme , das macht Ihr richtig gut !
Ich freue mich immer auf Eueren aktuellen Reisebericht und versuche , in Gedanken bei Euch zu sein.
Weiterhin : schööni Feerie…und ganz liebi Grüess!
vom Fredy (d’Orfita isch no in Mexiko bliibe)