Tag 5 – Asklepios Wellness-Tempel
Wir befinden uns im Osten der Halbinsel Argolis, dem Daumen des Peloponnes. Strahlende Morgensonne begrüßt uns, als wir die Storen hochziehen und die traumhafte Aussicht auf die Bucht von Tolo geniessen. Heute werden wir uns eine lustige Rundfahrt nach Westen und wieder zurück gönnen.

Unser erstes Ziel liegt in den Hügeln von Epidaurus, einem Heiligtum des Asklepios, auch bekannt als der griechische Gott der Heilung. Vor 2600 Jahren war dies eine bedeutende Heilstätte, zu der Menschen aus allen Teilen Griechenlands auf der Suche nach Heilung pilgerten. Wenn der Gott nicht höchstpersönlich die Heilung durchführte, erschien er den Menschen im Traum und gab Anweisungen, die zur Linderung führen sollten. Sozusagen eine frühe Form von TelMed. Ansonsten standen Bäder, Kapellen, Gymnasien und ein Stadion für Wettkämpfe zur Verfügung. Vermutlich wurden aber nicht alle Leistungen von der Krankenkasse gedeckt.
Der größte Teil der Anlage besteht heute nur noch aus Ruinen. Mutmasslich zerstört durch ein Erdbeben. Den Rest besorgte die Bevölkerung, die nach und nach die Steine als billiges Baumaterial abtransportieren. Es steht noch die eine oder andere Säule. Replikationen einzelner Mauerteile und Statuen sind in einem kleinen Museum vor Ort ausgestellt.

Einzig das Amphitheater überdauerte die Jahrtausende, da es lange unter einer dicken Schicht Erde begraben war. Es bietet Platz für 14000 Menschen und wird heute immer noch für kulturelle Anlässe genutzt. Wir können uns selbst von der überragenden Akustik überzeugen, wenn sich andere Besucher freiwillig in der Mitte aufstellen und sich zu einer kleinen Darbietung überreden lassen. Selbst auf den obersten Rängen vernimmt man alles klar und deutlich.


Unser heutiger Bedarf an altertümlicher Geschichte ist somit reichlich gedeckt und wir können uns dem nächsten Abenteuer, der Suche nach einer adäquaten Institution – sprich Taverne – Zwecks eines frühzeitigen Mittagessens widmen. Mit Hilfe von Google Maps steuern wir auf gut Glück das Restaurant Egialos direkt am Strand an. Der Parkplatz ist leer, kein Mensch weit und breit zu sehen, doch als wir näher treten, erscheint der Patron und überlässt uns die freie Auswahl unter seinen rund 60 Tischen. Selbstredend, dass es uns nah ans Wasser zieht.

Schnell werden ein Glas Weisswein und ein Mythos-Bier geliefert. Barfuss wühlen wir im Sand, während wir auf der Terrasse sitzend unsere Getränke geniessen und aufs Meer rausschauen. Die Speisekarte ist griechisch-touristisch ausgelegt. Wir entscheiden uns für Risoni mit Meeresfrüchten sowie eine leckere Moussaka.


Die Portionen sind üppig, so dass uns unaufgefordert die Reste eingepackt werden. Unser Timing ist wieder perfekt, das Restaurant füllt sich, als wir uns aufbruchbereit machen.
Für die Rückreise nehmen wir die südliche Route durch die Berge. Steil geht es hoch. Unser Schandero stemmt sich mit seiner ganzen 1-Liter-Power gegen die Steigung. Wir werden bald mit einem Traum-Ausblick über die Bucht belohnt.

Danach folgt eine kurvenreiche Fahrt durch die farbige Pampa, bis wir auf der anderen Seite wieder das Meer und kurz darauf unsere Unterkunft erreichen.
Der Wind bläst wieder stärker. Zum draussen Sitzen ist zu ungemütlich. Also ziehen wir den Balkontisch dicht an die geöffnete Schiebetür und setzen uns für den Apéro auf der Innenseite hin.

Die Wetterprognosen für die Region melden ab übermorgen Regen sowie einen Temperatursturz um 10 Grad. Wir planen, den Regentag zum Reisen zu nutzen und dafür einen Tag länger in Tolo zu bleiben. WhatsApp an den Vermieter. Was kostet eine Nacht mehr? Ich hänge noch den Motivationsfloskel «zahle bar» mit an. Die Antwort folgt sofort. Bingo, wir dürfen mit einem netten Rabatt um eine Nacht verlängern.
Den übrigen Abend verbringen wir entspannt mit Siesta machen und einem zNacht aus diversen Resten sowie einem bisschen Wein. Der Übergang vom Wohnzimmertisch ins Bett erfolgt fliessend.
